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Aktuelles aus Religion(en) & Welt

 



Erteilung von evangelischem Religionsunterricht durch freikirchliche Lehrkräfte

von Harald Mueller

(Höchst im Odenwald, 01.04.2015) Unter welchen Voraussetzungen auch Lehrkräfte aus Freikirchen Evangelischen Religionsunterricht halten können, informierte der Jurist Dr. Harald Mueller bei der Frühjahrstagung des Vereins für Freikirchenforschung in Höchst im Odenwald. Mueller leitet das Institut für Religionsfreiheit an der Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg der Freikirche der Siebenten-Adventisten.

Rechtliche Grundlage und Vokationsordnung
Die rechtliche Grundlage, dass Kirchen an öffentlichen Schulen Religionsunterricht erteilen dürfen, gehe aus Artikel 7, Absatz 3 des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland hervor, so Mueller. Der Unterricht werde in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Das gelte nicht in einem Bundesland, in dem am 1. Januar 1949 eine andere landesrechtliche Regelung bestand (Artikel 141 GG – „Bremer Klausel“). So gebe es in der Freien Hansestadt Bremen an öffentlichen Schulen einen nicht bekenntnisgebundenen „Unterricht in biblischer Geschichte“, der nicht auf evangelischer, sondern auf allgemein christlicher Grundlage erteilt werde. In Berlin sei der Religionsunterricht ein Wahlfach, das nicht versetzungsrelevant ist. Im Bundesland Brandenburg finde der Religionsunterricht zwar in alleiniger Verantwortung der Religionsgemeinschaften statt, sei jedoch kein Pflichtfach.
  Da in Deutschland Bildung Sache der Bundesländer ist, wären für die Ausgestaltung des Evangelischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen die Landeskirchen zuständig. Um das Fach Religion unterrichten zu können, benötigten die Lehrkräfte eine Vokation (kirchliche Bevollmächtigung). Vokationsordnungen, für welche die evangelischen Landeskirchen zuständig seien, gebe es entweder auf Bundesländerebene, etwa in Niedersachsen und Hannover, oder in den Grenzen der Landeskirchen, die nicht mit den Bundesländergrenzen identisch seien; so beispielsweise für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und evangelische Nordkirche.
  Diese Ordnungen stimmten nicht immer überein, erläuterte Mueller. Dennoch habe sich die Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 2010 auf eine wechselseitige Anerkennung der Vocatio durch die Gliedkirchen der EKD geeinigt. Danach seien Grundvoraussetzungen, dass die Lehrkraft eine abgeschlossene staatlich anerkannte Ausbildung zum Lehramt mit Lehrbefähigung für das Fach Evangelische Religionslehre der betreffenden Schulart habe. Auch müsse die Unterrichtserlaubnis des Bundeslandes für dieses Fach vorliegen. Notwendig sei zudem die Bereitschaft, den Religionsunterricht nach Ordnung und Bekenntnis der jeweiligen Landeskirche zu erteilen. Außerdem sollte die Lehrkraft Mitglied einer Gliedkirche der EKD sein.

Freikirchliche Lehrkräfte
Lehrkräfte aus evangelischen Freikirchen könnten ebenfalls Religionsunterricht erteilen, wenn sie neben den Grundvoraussetzungen weitere Bedingungen erfüllten, erklärte der Jurist. Die Freikirche zu welcher die Lehrkraft gehört, müsse Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) des jeweiligen Bundeslandes oder der ACK Deutschland sein. Ein Austritt aus einer Landeskirche oder der Vollzug einer zweiten Taufe (nach der Kindertaufe auch eine Erwachsenentaufe) wäre in der Regel ein Ablehnungsgrund für eine Vocatio.
  Die Freikirchen könnten mit den Landeskirchen auch Vereinbarungen über die Erteilung von Evangelischem Religionsunterricht schließen. Solche Vereinbarungen gebe es zwischen dem Bund Freier evangelischer Gemeinden, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und der Evangelisch-methodistische Kirche mit bestimmten Landeskirchen. Auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) habe 1981 mit den Landeskirchen in Westfalen, im Rheinland und in Lippe sowie 2003 mit der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz derartige Sondervereinbarungen geschlossen. Diese würden jedoch nur für die Mitgliedskirchen der VEF nicht aber für deren Gastkirchen gelten, betonte Dr. Harald Mueller. Lehrkräfte, die einer Freikirche angehörten, die lediglich Gastmitglied der ACK oder der VEF seien oder der VEF und ACK überhaupt nicht angehörten, könnten nur durch eine Einzelfallprüfung die kirchliche Bevollmächtigung zur Erteilung evangelischen Religionsunterrichts erhalten. Müller schätzte in diesen Fällen die Aussichten auf eine Vocatio jedoch als gering ein. (APD)

 


 

Adventisten gegen Streichung des Freikirchen-Sitzes im SWR-Rundfunkrat

(Stuttgart, 19.10.2012) Pastor Michael Walter (Stuttgart), stellvertretender Vorsteher der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Baden-Württemberg, hat sich gegen Pläne der Landesregierung gewandt, den Rundfunkratssitz der Freikirchen beim Südwestrundfunk (SWR) zu streichen. Den Platz solle künftig ein Vertreter muslimischer Verbände erhalten.
  Walter wies in einem Schreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) darauf hin, dass Freiwilligkeitskirchen ein eigenständiges Profil in der kirchlichen Landschaft mit einem hohen Maß an Ehrenamt und Engagement hätten. Ihre Aufgaben würden aus freiwilligen Spenden bezahlt. Die adventistischen Kirchengemeinden seien Teil der aktiven Bürgergesellschaft. „Gerade grüne Politik müsste ein solches Engagement außerhalb fest gefügter Großorganisationen zu schätzen wissen“, so Pastor Walter.
  Die etablierten Freikirchen seien meist Körperschaften des öffentlichen Rechts und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) organisiert. Eine freikirchliche Vertretung in dem Aufsichtsgremium bestehe bereits seit den Zeiten des Süddeutschen Rundfunks (SDR). Der jetzige freikirchliche Rundfunkrat Bernd Friedrich von der Evangelisch-methodistischen Kirche genieße auch das Vertrauen der Adventisten.
  Die Freikirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Baden-Württemberg wende sich nicht grundsätzlich gegen eine muslimische Vertretung, die nachvollziehbar sei, betonte Walter. Die Lösung müsse jedoch nicht zu Lasten der Freikirchen erfolgen. Auch andere Varianten seien denkbar und sollten geprüft werden, da einige Organisationen im SWR-Rundfunkrat mit drei bis vier Sitzen vertreten wären.
  In der Streichung der Freikirchenvertretung beim SWR würden die Adventisten laut Pastor Michael Walter „eine mangelnde Wertschätzung für ehrenamtliches, christlich motiviertes Engagement in Baden-Württemberg durch die grün geführte Landesregierung“ sehen. [APD]


 


 

Priesterstreit in der Geburtskirche zu Bethlehem

(Bethlehem, 28.12.2011) Wie weltweit in den Medien zu lesen und zu sehen war, gerieten Priester der griechisch-orthodoxen und der armenisch-apostolischen Kirche während des traditionellen Kirchenputzes mit Besenstilen aneinander, da wohl die imaginären Grenzen verletzt worden waren.
 

 

Inneres der Geburtskirche (Foto: Berthold Werner)

 

Die Geburtskirche wird von den beiden genannten Kirchen und der römisch-katholischen Kirche genutzt. Auseinandersetzungen haben in der in Teilen seit Mitte des 5. Jh. bestehenden Geburtskirche (es gab wohl seit dem 2. Jh. Vorgängerbauten) schon Tradition. Daher legte der Sultan des Osmanischen Reiches (zu dem damals Palästina gehörte) 1757 die „Spielregeln“ fest. Seither gehören der Hauptaltar und die rechten Seitenaltäre den Griechen, zwei Seitenaltäre links den Armeniern. Den Katholiken blieben neben dem Dreikönigsaltar und dem Stern unter dem Geburtsaltar nur die Hieronymus-Grotten und der Platz links von der Kirche, wo sie sich eine eigene Kirche (Katharinenkirche) bauen durften.
  Ebenso sind die Weihnachtsfeiern klar geregelt: „Am Mittag des Heiligen Abends (24. Dezember) reist der Lateinische (röm.-kath.) Patriarch von Jerusalem mit dem Auto nach Betlehem. An der Stadtgrenze (jetzt nach der Trennmauer) wird der Konvoi von berittenen Polizisten und Pfadfindergruppen mit Dudelsackmusik empfangen. Der Zug zieht hinauf zum Krippenplatz und der Patriarch kehrt im Casa Nova der Franziskaner ein. Er zelebriert die Christmette und das Hochamt am Christtag (25. Dezember) in der Katharinenkirche und kehrt dann nach Jerusalem zurück. Die Mette findet also nicht in der Geburtskirche selbst statt, der Patriarch darf dabei nur kurz über die Verbindungstür von den Hieronymus-Grotten zur Geburtsgrotte gehen.
Ähnliches geschieht am 6. und 7. Januar, an dem die orthodoxen Kirchen Weihnachten feiern (24. und 25. Dezember nach dem Julianischen Kalender) durch den Griechischen Patriarchen. Er feiert allerdings die Messe in der Geburtskirche.
Der Armenische Patriarch feiert – in kleinerem Rahmen – ebenfalls in der Geburtskirche, jedoch am 5./6. Januar des Julianischen Kalenders, also nochmals 12 Tage später.“
(Wikipedia).
  In der Frage einer notwendigen Kirchenrenovierung hat man sich wohl geeinigt, so dass die palästinänsische Autonomiebehörde dies angehen kann.
  Jährlich besuchen etwa 1,5 Millionen Menschen die Geburtskirche, den größten Andrang gibt es zu den Weihnachtsfeiern. (wb)

 

 

Geburtsgrotte (Foto: Darko Tepert)

 


 

Bröckelt Frankreichs Laïcité?

(Paris, April 2011) Seit 1905 herrscht in Frankreich absolute Trennung von Kirche und Staat. Alle vor 1905 entstandenen Gotteshäuser gehören dem Staat, der sie kostenlos den damalig nutzenden Kirchen zur Verfügung stellt. Neue Kultstätten (ob Kirchen, Moscheen oder Synagogen etc.) müssen jedoch durch die religiösen Gruppen selbst und auf ihre eigenen Kosten errichtet werden „Die Republik sichert die Gewissensfreiheit zu. Sie garantiert die freie Ausübung der Kulte“.
Der Staat regiert nicht in die Kirchen hinein, umgekehrt ist das auch nicht mehr der Fall. Jede Kirche organisiert sich selbst. Die Religionszugehörigkeit der Bürger darf nicht erhoben werden. Religionsunterricht an staatlichen Schulen findet nicht statt. Religion steht außerhalb der politischen Sphäre.*
Präsident Nikolas Sarkozy steht bei den Verteidigern der Laïcité schon länger in Verdacht, diese - bedingt auch der Ratlosigkeit im Umgang mit dem Islam - aufweichen zu wollen.
Deshalb stieß seine Entscheidung, bei den zentralen Aufnahmeprüfungen für einige der Grandes Ecoles - gegen den Willen des Ministeriums und der Schulverantwortlichen - für einige jüdisch-orthodoxe Studenten anlässlich des Passahfestes (18.-26.04.11) eine Ausnahme zu machen, auf harsche Kritik. Während die Kommilitonen von 08.00-12.00 Uhr ihre Aufgaben lösen mussten, konnten die jüdischen Prüflinge, abgeschottet von der Umwelt in einem Pariser Hotel bis 22.00 Uhr warten, um dann anzutreten bzw. in einem Fall am nächsten Tag um 08.00 Uhr.
Angesichts von Problemen, die mit jeder Ausnahme für die Zukunft auftreten könnten, sehen viele die weltanschaulich neutrale, säkulare Republik, in der Religion Privatsache ist, in Gefahr. Die von Sarkozy verordnete Geheimhaltung, die aber nicht eingehalten werden konnte, nährte noch die Skepsis. (wb)

 

*(Die deutsche Trennung von Kirche und Staat ist weniger konsequent und wird häufig als „hinkende Trennung“ bezeichnet. Über die Vorteile und Nachteile beider Systeme soll an anderer Stelle hier berichtet werden.)

 


 

Burka-Verbot in Frankreich

(Paris, 11.04.2011) In Frankreich ist es seit dem 11. April 2011 gesetzlich verboten, sein Gesicht zu verschleiern oder zu vermummen. Wer sich dennoch in der Öffentlichkeit mit Kleidungsstücken wie Burka oder Niqab zeigt, muss mit bis zu 150 Euro Bußgeld rechnen. Männer, die Frauen zum Tragen eines Schleiers zwingen, müssen mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von bis zu 60.000 Euro rechnen.
Nach Ansicht von Präsident Nicolas Sarkozy sind Vollschleier wie Burka und Nikab Symbole der Unterdrückung und verstoßen gegen Grundsätze wie die Gleichberechtigung von Frau und Mann.  Es gehe dabei nicht um Sicherheit und Religion, sondern um den Respekt vor den Grundsätzen der Republik. Ein Ganzkörperschleier schließe Frauen aus und mache sie minderwertig, dies sei mit den Werten der Republik nicht vereinbar, argumentiert die Regierung.
Nach Schätzungen des Innenministeriums tragen in Frankreich höchstens 2000 Frauen einen Schleier wie Burka oder Nikab. Frankreich hat mit mehr als fünf Millionen Menschen die größte muslimische Gemeinde in Europa.
Die französische Polizeigewerkschaft SCPN warnte davor, das Vollschleierverbot werde schwierig durchzusetzen sein. Die Polizei sei vom Innenministerium eigens angewiesen worden, „bloß keine Gewalt“ anzuwenden. Juristen erwarten auch Schwierigkeiten, in der Regel den eventuellen Nachweis eines Erzwingens des Schleier-Tragens führen zu können.
Nach französischen Presseberichten erfolgten schon erste „Belehrungen“ von Burka-Trägerinnen sowie Bußgelder. Die Behörden können auch für Trägerinnen des Vollschleiers einen Schnellkurs über Rechte und Pflichten des Staatsbürgers anordnen.
[wb]

 


 

Burka im Frankfurter Bürgeramt? (III)


Klare Haltung des Magistrats setzt sich durch - keine Vollverschleierung in der Stadtverwaltung


(Frankfurt am Main, 03.02.2011) Zwischen dem Personaldezernenten Markus Frank und der Beschäftigten im Bürgeramt, die nach ihrer Elternzeit in Vollverschleierung ihren Dienst wieder aufnehmen wollte, hat es heute eine Einigung gegeben. Das Arbeitsverhältnis wurde einvernehmlich zum 31. Januar 2011 ohne Zahlung einer Abfindung oder sonstigen finanziellen Leistung beendet. 

Stadtrat Markus Frank betont, dass durch die jetzt gezeigte Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiterin in sehr kurzer Zeit der Konflikt in der Burkafrage gelöst werden konnte. Die Mitarbeiterin wollte nicht mehr länger im Interesse der Öffentlichkeit stehen und habe daher unter Abwägung ihres Interesses auf Weiterbeschäftigung und ihres Interesses auf Religionsausübung einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum Ablauf der Elternzeit aktiv vorgeschlagen. Stadtrat Markus Frank bedauert das Ausscheiden der langjährigen Mitarbeiterin. Um sie zu halten und zu einem Überdenken ihrer Haltung zu bewegen, habe er schließlich jeglichen Entscheidungsdruck genommen und sogar den Dienstantritt verschoben. 

In den zahlreiche Bürgerzuschriften, die er erhalten habe, den Reaktionen zahlreicher Interessensvertretungen und den Fraktionen und den Erklärungen verschiedener Religionsgemeinschaften und des Rates der Religionen sieht sich der Personaldezernent in seiner konsequenten Haltung, keine Vollverschleierung im städtischen Dienst zuzulassen, bestätigt. Die Stadt Frankfurt am Main habe in dieser Eindeutigkeit wehrhafte Liberalität gezeigt, so der Stadtrat. Er dankt dem Hessischen Innenminister für seine verbindliche Unterstützung. Dieser hatte gestern Nachmittag in einem Erlass klargestellt, dass das Tragen einer Burka oder anderer Verschleierung dem Gebot der politischen, weltanschaulichen und religiösen Neutralität im öffentlichen Dienst widerspricht. [pia]



Burka im Frankfurter Bürgeramt? (II)

Gesicht zeigen! Für religiöse Diversität und offene Kommunikation


(Frankfurt am Main, 02.02.2011) Der Rat der Religionen Frankfurt nimmt zur Absicht einer städtischen Angestellten zukünftig „aus religiösen Gründen“ mit verhülltem Gesicht arbeiten zu wollen, wie folgt Stellung:
1. Der Rat der Religionen Frankfurt befürwortet sichtbare, religiöse Diversität auch in städtischen Einrichtungen als Ausdruck von Religionsfreiheit und gelebter Realität in Frankfurt. Er unterstützt die städtische Einstellungspolitik, den Angestellten religiös begründete Kleidung und religiöse Symbole, wie z.B. Kippa, Kopftuch, Turban, Kreuz, Halbmond oder Davidstern zu gestatten, wie auch Initiativen, religiöse Menschen zu ermutigen, sich bei der Stadt um Anstellung zu bewerben.
2. Gleichzeitig sieht der Rat in der Vollverschleierung, die das Gesicht bedeckt, eine Grenze der Toleranz in einem öffentlichen Amt überschritten. Die Stadt hat aus Sicht des Rates ein legitimes Interesse daran, die offene und ungehinderte Kommunikation zwischen ihren Angestellten und den Bürgerinnen und Bürgern zu gewährleisten. Diese ist bei einer Gesichtsverschleierung erheblich beeinträchtigt.
3. Die muslimischen Vertreter im Rat legen der Angestellten deshalb eindringlich nahe, ein entsprechendes Kleidungsstück zu wählen, das sowohl ihre religiösen Vorschriften erfüllt, als auch die berechtigten Interessen der Öffentlichkeit beachtet, z.B. ein Kopftuch ohne Gesichtsschleier.
4. Sollte es von städtischer Seite und von der betroffenen Person erwünscht werden, stehen sie gerne zur Vermittlung in diesem Fall zur Verfügung.

 

 

Burka im Frankfurter Bürgeramt? (I)


(Frankfurt am Main, 02.02.2011) Menschen aus über 180 Nationen mit mehr als 200 Muttersprachen leben und arbeiten in der weltoffenen, liberalen Stadt Frankfurt am Main. Jede 2. Ehe ist binational. Es gibt ein weit über die Grenzen hinaus beachtetes Dezernat für Integration, das Zusammenleben der vielen Kulturen in „Mainhattan“ gilt als vorbildlich. In den städtischen Ämtern arbeiten schon seit Jahren viele Menschen mit Migrantenhintergrund, die Stadt ist auch hier als Ausbilder beispielhaft.
Dann die Überraschung: Eine 39jährige langjährige Mitarbeiterin des Bürgeramtes (Zuständig für Pässe, Ausweise, Anmeldungen, Abmeldungen - alles früher die Einwohnermeldeämter leisteten und viel mehr), in Frankfurt gebürtige Deutsche mit marokkanischem Hintergrund, hatte bei der Stadt schon gelernt, meldete sich aus der Elternzeit zum 02.02.2010 zurück und erklärte, sie wolle in Zukunft aus religiösen Gründen nur noch mit einer Burka (Totalverschleierung, wohl nach afghanischem Vorbild mit kleinem engmaschigen Gitterfenster) arbeiten. Als Azubi und einige Zeit danach kam sie früher ohne, später mit Kopftuch, das die Stadt tolerierte.
In einem Abstimmungsprozess der verschiedenen Ämter und Institutionen betonte die Stadt deutlich, dass in diesem Job mit intensivem Publikumskontakt eine Burka nicht möglich sei. Privat könne jeder tragen was er wolle, aber für diesen Dienst gebe es vielfältige Gründe gegen Totalverschleierung. „Frankfurt zeigt Gesicht“, so die Oberbürgermeisterin Petra Roth.
Zur Konfrontation ist es am Dienstag nicht gekommen. Angesichts des medialen Interesses und um die Persönlichkeitsrechte der Frau zu schützen, habe man den Dienstbeginn verschoben, erklärte Personaldezernent Markus Frank (CDU): „Wir wollten der Mitarbeiterin Zeit geben, noch einmal grundsätzlich über ihr Ansinnen nachzudenken. … Uns wäre es am liebsten, wenn wir unsere Mitarbeiterin wieder gewinnen können.“ Voraussetzung aber bleibe: keine Vollverschleierung.
Vertreter verschiedener moslemischen Organisationen erklärten dazu, dass der Koran Vollverschleierung nicht vorschreibe. In der Tat gibt es in ganz Deutschland sehr wenige Burka-Trägerinnen.
Inzwischen kündigte auch der hessische Innenminister Boris Rhein an, umgehend in einem Erlass das Burka-Tragen für den öffentlichen Dienst in Hessen zu verbieten. Rhein betonte, dass Beschäftigte im öffentlichen Dienst grundsätzlich zur religiösen und politischen Neutralität verpflichtet seien. Verhüllte Frauen vermittelten ein Bild, das sich mit freiheitlichen und weltoffenen Werten nicht vereinbaren lasse. [wb]

 


 

Kein Zwang zu „koscheren“ Bussen in Israel - Geschlechtertrennung in Bussen für ultra-orthodoxe Juden in Israel ist illegal

 

(Jerusalem, 06.01.2011) Das Oberste Gericht Israels in Jerusalem hat nach langem Rechtsstreit abschließend entschieden, dass Geschlechtertrennung in sogenannten „koscheren“ Bussen nicht vorgeschrieben werden darf.
Ultra-orthodoxe Jüdinnen und die jüdische Reformbewegung „Israelisches Zentrum für Religiöse Aktion (IRAC)“ hatten gegen das Verkehrsministerium und gegen zwei Busgesellschaften geklagt, die auf bestimmten Linien Sonderregeln im Sinne ultra-orthodoxer Juden anboten. Bei den seit 1998 angebotenen Fahrten - inzwischen betraf das fast 60 Buslinien in und zwischen 28 israelischen Städten - mussten Frauen unauffällige Kleidung tragen und im hinteren Teil des Busses Platz nehmen. Weltweit bekannt wurde in Jerusalem die Linie 1 zur Westmauer, der sogenannten Klagemauer.
Das IRAC reichte eine Klage wegen Diskriminierung ein, nachdem laut der Organisation mindestens fünf Frauen verbal oder körperlich angegriffen wurden oder ihnen eine Mitfahrt verweigert wurde, weil sie gegen die Regeln verstoßen haben sollen.
„Ein öffentliches Verkehrsunternehmen darf Frauen nicht sagen oder vorschreiben, wo sie zu sitzen oder was sie zu tragen haben. Sie dürfen im Bus sitzen wo sie wollen“, urteilten die Richter. Toleranz sei ein wichtiges soziales Prinzip, das gefördert werden müsse - auch wenn dabei manchmal die Rechte von Individuen beschnitten würden. [wb ]

 



Türkischer Vice-Ministerpräsident besucht Ökumenisches Patriarchat


(Istanbul/Türkei, 05.01.2011) Als höchstrangiger türkischer Staatsvertreter seit mehr als einem halben Jahrhundert hat Vize-Ministerpräsident Bülent Arinç am 4. Januar das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel besucht. „Ich hoffe, dass dies ein guter Neubeginn ist“, sagte Arinç nach Medienberichten bei seinem Besuch im griechisch-orthodoxen Patriarchat in Istanbul.
Demnach betonte Arinç in seinem einstündigen Gespräch mit Patriarch Bartholomäus I. die Entschlossenheit der Regierung, die rechtlichen Hindernisse für die Wiedereröffnung des orthodoxen Priesterseminars Chalki auszuräumen. Der stellvertretende Ministerpräsident verurteilte auch den Bombenanschlag in der Silvesternacht auf eine koptische Kirche in Alexandria, Ägypten, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen. Zudem kündigte er weitere Reformen zur Verbesserung der Lage der christlichen Minderheit in der Türkei an.
Laut Kathpress begrüßte Patriarch Bartholomäus I. den Besuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten als „Gelegenheit, der Regierung für ihre jüngsten Reformen zugunsten unserer und anderer Gemeinden zu danken“. Der Patriarch erinnerte auch an die Schließung des Priesterseminars Chalki vor 40 Jahren.
Zum Abschied wurden Bülent Arinç historische Fotos von der letzten Visite eines türkischen Ministerpräsidenten im Amtssitz des Patriarchen überreicht. Adnan Menderes besuchte im Jahr 1952 das Patriarchat. Er wurde später vom Militär gestürzt.
Als erster Regierungschef seit Menderes hatte sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor zwei Jahren mit dem Patriarchen getroffen, ohne allerdings selbst ins Patriarchat zu kommen.
Bartholomäus I. ist das Oberhaupt des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, das auch als Kirche von Konstantinopel bezeichnet wird. Ihr gehören rund 3,5 Millionen orthodoxe Christen, vorwiegend in Diözesen im heutigen Griechenland, um Thessaloniki, auf Kreta und der Inselgruppe Dodekanes an. Der Patriarch gilt auch als Ehren-Oberhaupt von etwa 300 Millionen orthodoxen Christen in aller Welt. [APD]

 


 

Komplizierter Kirchenaustritt

(23.12.2010) Für Freikirchler ist es in der Regel einfach: Das Freiwilligkeitsprinzip der Mitgliedschaft lässt problemlos einen Kirchenaustritt zu, in der Regel formlos. Dieses Freiwilligkeitsprinzip betrifft auch die materiellen Zuwendungen an die Kirche. Deshalb nehmen die Freikirchen, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind (u.a. die Siebenten-Tags-Adventisten), die Möglichkeit des staatlichen Kirchensteuereinzugs nicht wahr.

Für Mitglieder der Kirchen, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind und die Möglichkeit des staatlichen Kirchensteuereinzugs in Anspruch nehmen - so die beiden Volkskirchen, also die ehemaligen Staatskirchen (die röm.-kath. Kirche und die evangelischen Landeskirchen) - ist das bedeutend komplizierter. Je nach Staatsverträgen der Bundesländer wird der Kirchenaustritt beim Amtsgericht oder Standesamt eingereicht, dann von dort aus den jeweiligen Kirchen und dem Finanzamt zugeleitet.

(Das ist für röm.-kath. Christen allerdings lediglich die Abmeldung von der Kirchensteuer - das katholische Kirchenrecht kennt keinen Kirchenaustritt -, welche die Exkommunikation, eine Kirchenstrafe, die u.a. den Entzug der Sakramente zur Folge hat, nach sich zieht).

Wie jüngst die Zeitungen wieder einmal berichteten, geht in Berlin-Brandenburg die von den beiden Kirchen getragene Kirchensteuerstelle seit einigen Jahren rigoros vor, um vermeintliche Kirchensteuerflüchtige zu enttarnen. So müssen häufig Zuzügler aus anderen Bundesländern (man spricht von rund 4.000 Fällen jährlich), selbst wenn schon seit Jahrzehnten in ihrer Lohnsteuerkarten der Vermerk als Nichtzahler zu finden ist, ihren Kirchenaustritt nachweisen. Das ist oft nicht möglich, da zum Beispiel diese Unterlagen bei den Gerichten nur 10 Jahre lang aufbewahrt werden. Betroffene aus den neuen Bundesländern haben zur DDR-Zeit zumeist gar keine schriftliche Bestätigung ihres Kirchenaustritts bekommen.

Das angerufene Oberverwaltungsgericht bestätigt allerdings das kritisierte Verfahren. So bleibt meist nur die Möglichkeit noch einmal aus der Kirche auszutreten - und Kirchensteuer nachzuzahlen. [wb]

 

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