"Im Anfang das Wort"
Biblische und philosophische Wurzeln
Logos-Theologie und Christus: "Ich bin das Wort"
Das weihnachtliche Geschehen verdichtet der Evangelist Johannes theologisch.
Er verknüpft das „in-die-Welt-kommen“ Jesus mit der hellenistischen und jüdischen Konzeption des „Logos“
Die neutestamentliche Logos-Theologie verbindet sich untrennbar mit Christus und seinen "Ich bin"-Worten. Im Johannesevangelium wird Jesus explizit als das fleischgewordene Wort (Logos) Gottes bezeichnet: "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14).
Jesus selbst bestätigt seine Identität als das offenbarende Wort Gottes durch seine "Ich bin"-Worte, die seine göttliche Autorität und seine einzigartige Beziehung zu Gott dem Vater unterstreichen. Obwohl der genaue Wortlaut "Ich bin das Wort" nicht direkt in der Bibel vorkommt, implizieren seine Aussagen wie "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6,35), "Ich bin das Licht der Welt" (Joh 8,12) oder "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6) seine Identität als die ultimative Offenbarung Gottes und die Verkörperung des göttlichen Logos.
Die neutestamentliche Logos-Theologie, insbesondere im Johannesevangelium, stellt somit eine Brücke zwischen dem alttestamentlichen Verständnis des schöpferischen Wortes Gottes, dem hellenistischen Logos-Konzept und der Person Jesu Christi dar. Jesus ist nicht nur ein Prophet, der Gottes Wort verkündet, sondern er ist das Wort selbst – die vollkommene Offenbarung Gottes an die Menschheit.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "Sola Scriptura" in der Reformationszeit eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Autorität des Wortes Gottes war. Dieses Wort, das die Schöpfung bewirkt, durchdringt und in der hellenistischen Philosophie als ordnendes Prinzip verstanden wird, findet seine höchste und vollkommene Inkarnation in Jesus Christus. Für die Reformatoren ist die Bibel eine zuverlässige Quelle, die den Gläubigen den Weg zu Christus und damit zum Heil weist, unabhängig von menschlichen Traditionen.