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Tagung Herbst 2013

 


 


 


 

 

Herbsttagung 2013 - 25.-27.10.2013 in Frankfurt am Main

 

 

Info/Einladung/Anmeldeformular

 

Programmheft

 

 

 


 

Christlich verantwortbare Wirtschaftsethik

 

 

 

Luthers Vorurteil von 1524

 

 

In Frankfurt am Main wurden nicht nur deutsche Könige und Kaiser gewählt und gekrönt, hier wurde immer viel Geld verdient, was Martin Luther schon 1524 moniert haben soll:


„Du wirst dich wundern, wie es kommt, dass überhaupt noch ein Heller in Deutschland ist. Frankfurt ist das Silber- und Goldloch, durch das alles abfließt, was wächst und gedeiht, bei uns gemünzt und geprägt wird. Wäre dieses Loch zugestopft, brauchte man sich jetzt nicht die Klage anzuhören, dass es überall nichts als Schulden gibt und dass alle Länder und Städte mit Zinsen belastet und vom Wucher ausgesogen sind.“ („Sermon über den Handel“)


Luthers Bild von Frankfurt wurde später jedoch freundlicher.

 

 

 

 

 

 

Das Loch im Frankfurter Einkaufszentrum "MyZeil", an Deutschlands umsatzstärkster Einkaufstraße, der Zeil.


(Foto: wb)

 

 

 

   

Das weltbekannte Symbol vor der derzeitigen

Europäischen Zentralbank (EZB)

 

Herauswachsend aus der alten Großmarkthalle von 1928 (Architekt Martin Elsaesser) -

für die Frankfurter die "Gemieskirch" (Gemüsekirche) - ersteht die neue EZB.

Für die neue Aufgabe der europäischen Bankaufsicht müssen aber noch zusätzlich Büros

für über 1.000 weitere Mitarbeiter angemietet werden.

(Fotos: wb)

 

 

   

Bulle & Bär vor der Börse

 

Evangelische Hoffnungsgemeinde - zwischen Hoffen und Harren

(Fotos: wb)

 

 


 

 

Tagungsort:

 

 

       

 

       

 

Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum, Eschenheimer Anlage 32, 60318 Frankfurt am Main

 


 

Der Mensch als Mittel zum Zweck*


Tagungsbericht


Der AWA (Adventistischer Wissenschaftlicher Arbeitskreis e. V.) lud vom 25.-27. Oktober 2013 zu seiner Herbsttagung zum Thema „Christlich verantwortbare Wirtschaftsethik“ in die Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum ein. Dabei ging es nicht nur ums Geld an sich und den Umgang damit in der weitgehend undurchsichtigen Welt der Banken und Finanzdienstleister, sondern ebenso um die sozialethische Dynamik im Hinblick auf die Güterverteilung zwischen Arm und Reich sowie die Moral von Wirtschaftsunternehmen im globalen Wettbewerb.

Gibt es eigentlich so etwas wie eine spezifisch christliche Wirtschaftsethik? Den Ausführungen von Prof. Dr. em. Peter Knauer vom renommierten Nell-Breuning -Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, war zu entnehmen, dass sich Ethik im Vorfeld jeglicher Religion zu begründen hat. Ethik ist in der Vernunft begründet, unterliegt der freien Entscheidung und der daraus resultierenden individuellen oder kollektiven Verantwortung. Diesem Grundverständnis folgend, kann die befreiende Botschaft des Evangeliums dann einen entscheidenden Beitrag im verantwortlich geführten Leben eines Menschen leisten, denn das Evangelium kann ihn von dem befreien, was ihn immer wieder hindert, dem Anspruch seines Gewissens zu folgen. Knauers These: Der Glaube bringt keine zusätzlichen ethischen Forderungen mit sich, sondern er befreit durch Christus aus der Macht der Angst des Menschen um sich selbst. Diese ist die Wurzel aller Unmenschlichkeit und damit allen Bösen. In einem weiteren bedenkenswerten Vortrag verwies Knauer auf ein Strukturproblem unseres Geldes, das Zins- und Zinseszinswesen, in dem der Mensch letztlich dem Geld dient - nicht umgekehrt.

Ausgehend vom biblischen Auftrag an den Menschen, ein guter Haushalter von Gottes Schöpfung zu sein, wurde in der Predigt von Hartmut Wilfert (Pressesprecher und Leiter der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit von ADRA-Deutschland) deutlich, dass Hilfsorganisationen zunächst dem christlich motivierten Auftrag der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft verpflichtet sind. Gleichzeitig müssen sie sich einem wirtschaftlich orientierten Wettbewerb der politischen Selbstdarstellung von Geber- und Empfängerstaaten stellen, in dem der karitative Gedanke erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Deshalb plädierte Wilfert für eine Kultur des Teilens (Biblisches Beispiel: Die Speisung der Fünftausend, Joh 6,1-14), in die wir unsere Gaben zum Wohl aller einbringen. Eine Ethik gemäß des Schöpfungsauftrags und der Verantwortung vor Gott über Konfessionsgrenzen hinweg ist weltweit nötig, um Dinge zu verändern.
 
Von großem Interesse waren auch die Ausführungen von Werner Dullinger, dem Finanzvorstand des Süddeutschen Verbands, die den Umgang der Freikirche mit überwiegend zweckgebundenen Spendengeldern transparent machten. Seine Darstellungen über strikte Anlagekriterien auf nationaler und globaler Ebene vermittelten den Eindruck, dass verantwortungsvoll mit den Mitteln umgegangen wird und die Finanzierung der Aufgaben unserer missionsorientierten Kirche auch langfristig gewährleistet ist.

Als abschließenden Höhepunkt erläuterten drei Vertreter aus der Wirtschaft ihre jeweilige Herausforderung für ethisch verantwortliches Handeln. Sie berichteten Erfahrungen aus ihrem betrieblichen Alltag. Jens Vanicek (All4Net) demonstrierte einprägsam die Folgen einer bis in die Privatsphäre vernetzten Gesellschaft und den daraus resultierenden Konsequenzen für den Einzelnen. Jörg Münch (Münch + Münch) verwies darauf, dass selbst in einem scharfen globalen Wettbewerb ein fairer und kollegialer Umgang möglich und förderlich ist. Betriebswirtschaftlich besonders vorteilhaft wirken sich nach seiner Erfahrung das Vorbild eines ethisch-verantwortlichen Verhaltens der Vorgesetzten und der auf Vertrauen basierende Umgang mit und unter den Mitarbeitern aus. Im Gesundheitswesen gewinnt die wirtschaftsethische Fragestellung an Brisanz. Als Geschäftsführer des Krankenhauses Waldfriede in Berlin - betriebswirtschaftlich betrachtet eine Firma konnte Bernd Quoß anschaulich darlegen, dass eine Spannung zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Wohl des einzelnen Patienten unvermeidbar ist. Es gibt einen zuweilen schmalen Grat zwischen der Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber, den notwendigen Investitionen zugunsten neuer medizinischer und pflegerischer Qualität, Transparenz hinsichtlich der Finanzierung durch die Krankenkassen und dem individuellen Interesse des Patienten an der besten Behandlung.

Fazit: Es bedarf kontinuierlicher ethischer Überlegung und Begründung, dass der Mensch nicht Mittel zum Zweck von Wirtschaftsinteressen wird. (FuH)

 

*(Dieser Text erschien zuerst in adventisten heute, Februar 2014: 14)

 

 

 

   

   

Tagungsleiter Dr. Helmut Fuhrmann

(Foto: pmb)

 

Referent Prof. Dr. Peter Knauer SJ

(Foto:pmb)

 

Predigt: Heinz-Hartmut Wilfert

(Foto: wb)

 

 

 

 

   

   

Zuhörer

(Foto: pmb)

 

Referent Werner Dullinger

(Foto: wb)

 

Referent Jörg Münch

(Foto: pmb)

 

 

 

 

 

       

Referent Jens Vanicek

(Foto: wb)

 

Referent Bernd Quoß

(Foto: wb)

 

Bereit zum Gespräch, Leiter der Plenumsdiskussion: Dr. Thomas Bürger

(Foto: pmb)

 

 

 

 


 

 

Ordentliche Mitgliederversammlung

des "AWA-Adventistischer Wissenschaftlicher Arbeitskreis e.V."

mit Wahlen

 

 

Wann:    

 

26.10.2013 um 20.15 Uhr



Wo:         

 

Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum, Eschenheimer Anlage 32, 60318 Frankfurt am Main    

 

 


 

 

 

(© PIA Stadt Frankfurt am Main, Foto: Tanja Schäfer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Anregungen? Vorschläge? Wünsche für Themen oder Referenten/Referentinnen?

Literaturempfehlungen? Nehmen wir sehr gern entgegen

 

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